Das Spiel mit der Gefahr
Anhänger von Sexualpraktiken, bei denen die Luftzufuhr beim Sex beschränkt wird, schwärmen von dem einzigartigen Rausch. Mediziner warnen vor gefährlichen Unfällen vor allem bei autoerotischen Strangulationen und bleibenden Gehirnschäden durch Sauerstoffmange. Und obwohl immer wieder Menschen durch Würge- und Ohnmachtsspiele auf würdelose Weise umkommen, glauben die, die es praktizieren, die Risiken voll im Griff zu haben.
Ob Hyperventilation, Strangulatioon, Atmen gegen Widerstand oder das Abdrücken der Halsschlagader – das Spiel mit der Atemnot ist hochgefährlich aber wahrscheinlich auch deshalb so populär.
Rausch durch Atemnot
Die kurzzeitige Unterversorgung des Gehirns durch Sauerstoff bewirkt heftige Gefühlswallungen und rauschartige Zustände. Bei Jugendlichen sind Praktiken, die solche Zustände bewirken auch ohne die sexuelle Komponente beliebt, weil sie einen Rausch ohne illegale Substanzen verschaffen. Motive für die gefährlichen Spiele können Mutproben, Gruppenzwang, pubertärer Experimentierfreude oder Lust an der Gefahr sein. Das Bedürfnis, Grenzen auszutesten und neue Erfahrungen mit dem eigenen Körper zu machen, ist für Jugendliche eigentlich normal – wenn dabei auch noch gewisse Selbstschutzmechanismen funktionieren.
Besonders in Frankreich hat das “jeu du foulard” traurige Berühmtheit erlangt. Hier kommt jeden Monat mehr als ein Jugendlicher durch das Spiel mit dem Sauerstoffmangel ums Leben. Eine Umfrage ergab sogar, dass 48 Prozent der Jugendlichen zwischen 10 und 1 Jahren solche Praktiken schon einmal ausprobiert haben. Weil die verminderte oder unterbrochene Luftzufuhr häufig eine Ohnmacht zur Folge hat, der Betroffene mit dem Strang um den Hals zusammensackt oder von einer Erhöhung fällt, kommt es dabei häufig zu einer ungewollten tödlichen Strangulation.
Kick mit Todesgefahr
Die Kinderpsychiaterin Marie-France Le Heuzey, die am Pariser Hôpital Debré arbeitet, erklärt, dass es solche “Würgespiele” zwar schon immer gegeben hat, insbesondere zur sexuellen Stimulation, dass es aber inzwischen ein “Freizeitspaß” für so viele Jugendliche geworden ist, sei ein neuartiges Phänomen. „Die betrachten das als Spiel, das sie neuartige Gefühle erleben lässt.“ Dabei bestehe durchaus die Gefahr der Abhängigkeit. „Währenddessen empfinden die Kinder ein Gefühl des Rauschs“, so die Psychiaterin. „Manche haben sogar Wahnvorstellungen, ähnlich wie bei Drogen.“ Den Kindern gefalle das und deshalb würden sie es dann nahezu täglich wiederholen „in der Schule, aber auch zu Hause in ihrem Zimmer.“
Prominentes Opfer der Sexualpraktik war zuletzt David Carradine geworden und auch der Frontman der Band INXS, Michael Hutchence, war bei der Selbsstrangulation umgekommen. Eltern, die den Verdacht hegen, dass auch ihr Kind sich an solchen Spielen beteiligt, rät Marie-France Le Heuzey dazu, Gespräche mit dem Jugendlichen zu führen und die Gefahren bewusst zu machen – auch wenn das natürlich ein schwieriges Unterfangen ist. Außerdem sollten sie versuchen herauszufinden, ob im Freundeskreis ähnliche Fälle bekannt sind. Auch einGespräch mit einem Psychologen kann hilfreich sein. Auf jeden Fall sollten Eltern das Thema aus Scham nicht unter den Tisch fallen lassen.